WN, 18.04.2017

Geschichten erzählen Geschichte - Saisonauftakt in der Burg Lüdinghausen:
Besucher lassen sich in vergangene Zeiten entführen

Spannende Einblicke: Dietmar Vogt (l.) und die anderen Burgfreunde hatten zum Saisonauftakt am Osterwochenende gut zu tun. Neben Birgit Reuters und Peter Hartmann (r.) aus Bochum kamen zahlreiche weitere Besucher. Foto: Arno Wolf Fischer, WN

Sie kamen aus Berlin, dem Westerwald sowie dem Ruhrgebiet und hatten alle das gleiche Ziel: die Burg Lüdinghausen. Zum Saisonauftakt am Osterwochenende kam für Dietmar Vogt und die anderen Burgführer keine Langeweile auf.


Von gelegentlichen Schauern lassen sich Spaziergänger in der Steverstadt an diesem Osztersonntag nicht abhalten. Viele von ihnen führt der Weg zur Burg Lüdinghausen, die an den Feiertagen erstmals nach der Winterpause wieder geöffnet ist. Mit Dietmar Vogt steht ein Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Renaissanceburg bereit. „Ich bin seit der Gründung bei den Burgfreunden dabei“, erzählt Vogt, der auch als Stadtführer Besuchern die Lüdinghauser Geschichte näherbringt. Dabei hat er ein zentrales Konzept: „Es funktioniert nur über Geschichten. Dann hören alle zu.“ Sei es der Stammbaum der Burgherren im Kapitelsaal oder die Zeit, als die Burg noch als Schule fungierte: Für jede Epoche hat er eine Geschichte parat.


„Am Freitag hatte ich 30 Berliner hier.“ (Dietmar Vogt)


Birgit Reuters und Peter Hartmann aus Bochum betreten die Renaissanceburg und erkundigen sich bei Vogt nach der Bedeutung der Wappen im Kapitelsaal. Die beiden machen nicht das erste Mal einen Tagesausflug in die Steverstadt. „Wir sind aber heute zum ersten Mal in der Burg“, Birgit Reuters. Die nächsten Besucher kommen aus der Nähe von Stuttgart und interessieren sich für den „Adam-und-Eva-Kamin“. Was sie heute in die Burg führt? „Einfach ein bisschen Kultur“, erzählt das Paar unisono. Sie sind bei weitem nicht die ersten, die nicht aus der Nähe von Lüdinghausen kommen. „Am Freitag hatte ich 30 Berliner hier“, sagt Vogt. Die Besuchersituation am Freitag und Samstag gestaltete sich ähnlich wie am Ostersonntag: Die Leute kommen und gehen, aber es ist immer jemand da. „Ungefähr 20 Prozent sind zum ersten Mal hier“, weiß Vogt.

Diese Gruppe aus dem Westerwald war über die Feiertage zu Gast im Münsterland und ließ sich am Ostermontag von Dietmar Vogt durch die Burg Lüdinghausen führen. Foto: Arno Wolf Fischer, WN

Und woher kommen die Besucher? Vogt: „Aus den Orten rund um Lüdinghausen, ebenso viele aber auch aus dem Ruhrgebiet.“ Die nächste Besuchergruppe hat es aus dem Westerwald ins Münsterland verschlagen. Sie besucht Freunde in Burgsteinfurt und nutzt den Sonntag für einen Ausflug nach Lüdinghausen. Da gehört ein Besuch der Burg dazu. Das gilt auch für Herbert Möller aus Recklinghausen: „Wenn man sich für Geschichte interessiert, bietet sich sowas als Ausflugsziel an.“

Trauzimmer

Für Interesse sorgen immer wieder die Heraldik im Kapitelsaal, das Trauzimmer und die in den vergangenen Jahren restaurierten Kamine. „Die Preistafel ist für die Leute auch sehr interessant“, berichtet Vogt. Sie wirft immer wieder Fragen wie „Warum wird da kein Weizen erwähnt?“ auf. Der Burgführer kann das natürlich erklären: „Das liegt an dem sandigen Boden in der Region, der den Weizenanbau erschwert.“ Zu den oft gestellten Fragen gehört auch die, wo sich früher die Toilette befand. Vogt erzählt: „Das fragen überwiegend Kinder.“
In diesem Jahr stehen weitere Restaurierungsarbeiten an. Dieses Mal sind die Datumstafeln der Schulgeschichte an der Reihe. Wer die Saisoneröffnung verpasst hat, hat in den kommenden Monaten viele Möglichkeiten, an kostenlosen Führungen der Burgfreunde teilzunehmen oder den Renaissanceteil der Burg während der Öffnungszeiten zu erkunden.

...zurück